Mittwoch, 23. November 2011

Freitag, 1. Januar 2010

Mittwoch, 2. Dezember 2009

Dienstag, 31. März 2009

Die Katzen unterstützen Renate beim Schreiben und erzählen ihr die eigenen Geschichten












Demnächst erscheint Renates Buch mit neuem Layout auch in englischer Übersetzung für USA, Kanada, Großbritannien,

Montag, 23. Februar 2009

Brief einer Leserin - Überraschung an einem Regentag


An einem regnerischen Tag, ich kam gerade vom Einkauf zurück, erhielt ich von unserer netten Briefzustellerin einen Brief in die Hand gedrückt. Ich legte ihn auf meinen Einkaufskorb, schloss die Haustür auf und schnitt erwartungsvoll den Umschlag auf. Wer schreibt in dieser hektischen Zeit, in der Ära der Emails noch mit der Hand mit königsblauer Tinte Briefe? Der Absender auf dem Kuvert war verwischt, die Tinte verlaufen und unterzeichnet war er nur mit dem Vornamen. Seit den Glückwünschen zu den Geburten meiner Kinder hat mich nichts mehr so gerührt wie folgende Worte:

Vom Schneckentöter und anderem Wahnsinn – die Geschichte weckt so viele Emotionen. Ich habe gelacht, geweint, nachgedacht, nachgespürt. Soviel Mit-Leben, Mit-fühlen, Verständnis auch für unverständliche Situationen, Auf den Grund gehen, nicht nur Hinnehmen, sondern nach dem großen „Warum“ fragen. Und nicht anklagen, vorwerfen sondern immer versuchen zu verstehen. Soviel Liebe und Offenheit, Wärme und unsagbar viel Humor sprühen aus jeder Zeile. Danke! Danke, dass ich daran teilhaben durfte.Diese Geschichten haben auch bei mir einen Denkprozess in Gang gesetzt. Manche Dinge, Menschen, Geschehnisse konnte und wollte ich aus einem anderen Blickwinkel betrachten.
Und das ist das Schönste, was ein Buch bewirken kann.

Film und Foto aus dem Haus Conrad









Vom Schneckentöter und anderem Wahnsinn - oder von der Lust zu leben












Leseprobe .... Ein werdender Vater gerät in Panik


Seit Hanna Elisa zurückdenken konnte, stärkte Max in den heikelsten Situationen die Position der Kinder und half ihnen häufig aus der Bredouille indem er temperamentvoll seine Ansicht vertrat,
„Gott will, dass Kinder unbekümmert und fröhlich auf der Erde heranwachsen, frei von unnötigen Zwängen. Wie sollen sie sich sonst zu selbstbewussten Persönlichkeiten entwickeln und Gottes Sendungsauftrag `Macht Euch die Erde untertan` erfüllen “
Aber wie sollte es ihr gelingen fröhlich zu sein, wenn ihr tagein tagaus Lillis und Hardys sorgenvolle Mienen entgegen blickten und sobald die beiden sich alleine wähnten, stundenlang über ihre Geldsorgen und die fehlenden Aufträge sprachen. Obwohl Hardy seit fast zehn Jahren an Lillis Seite lebte und wahrlich bemüht war, sich den Sitten und Gebräuchen der Rheinländer anzupassen ohne seine Wurzeln zu verleugnen, billigten ihn viele Einheimische nicht. Zu oft hörte er einen in der Vergangenheit ihm, oberflächlich betrachtet, zugetanen Menschen hinter vorgehaltener Hand ausrufen,
„Wat will de he?“
und zu viele Kunden, die ihm trotz seines Handicaps Aufträge erteilten, litten ebenso an Geldmangel wie er, bezahlten mit Produkten, die er nicht benötigte, aber auch nicht ausschlagen konnte, wollte er wenigstens einen Teil seiner Arbeit irgendwie entlohnt haben. So schenkte Hardy an einem ganz gewöhnlichen Samstag Morgen seiner Frau Schmuck, von Hardys Kunden, einem Goldschmied, so filigran gearbeitet, das der Betrachter glaubte, er würde schon beim ersten Anlegen zerbrechen und doch würde noch Lillis Enkelin ihn in fernen Tagen tragen und häufig von Schöngeistern auf seine vollendete Form angesprochen werden. Den Opel Kadett bekam er als Lohn für die Wasser- und Heizungsinstallation in einer Fabrikhalle. Eine Polstergarnitur fand den Weg aus der Lobby eines Hotels in Lillis Wohnküche, außerdem ein massiver Eichenschrank, dessen Fächer bald mit Elektroartikeln und Haushaltsgeräten gefüllt waren, die Hardy in Zahlung nahm. Zu all den Luxusartikeln, die das Leben vereinfachen und verschönern sollten, der Betrieb aber noch nicht erwirtschaftete, erhielt Lilli obendrein noch ein fabrikneues Fahrrad, mit dem sie liebend gern an der Seite ihrer Roller fahrenden Kinder durch die Straßen geradelt wäre, hätte sie nur gewusst, womit sie die nächsten Wochenlöhne der Lehrlinge und Gesellen zahlen könnte. Das Bargeld fehlte.
Von den Eltern unbemerkt verfolgte Hanna Elisa häufig die sorgenvollen Gespräche. Wie ein bleiernes Band umschlang die Angst der Eltern Hannas Seele, warf dunkle Schatten auf ihr von Sonnenschein und Wärme erfülltes Leben und sie erlaubte, dass eine maßlose Wut, ein heftiger Zorn gegen den rheinischen Dialekt in ihr wuchs und er kam niemals mehr über ihre Lippen, denn die heimlich belauschten Diskussionen ließen sie zu der Überzeugung kommen, der von Jakob so geschätzte Klang war der Verursacher ihres Unglücks. Die andersartige Aussprache und eigentümliche Grammatik der Rheinländer ließen ihren geliebten Vater zum Außenseiter werden, zum Fremdling, von den Einheimischen abgelehnt und bei der Vergabe der Aufträge übersehen. Spräche er wie Jakob, keine Menschenseele käme auf die Idee zu behaupten, ihm fehle die Weisheit der Rheinländer. Für jeden wäre es selbstverständlich, dass er sogar in den kniffligsten Lebenslagen den erforderlichen Durchblick behielt und immer Lösungen fand, denn niemand würde erkennen, dass er zu der Minderheit der unfähigen Zugezogenen gehörte, die trotz ihrer eigenen Lebensart die Dreistigkeit besaßen sich in den Dörfern und Städtchen links und rechts des Rheins anzusiedeln und guten Mutes waren, in dieser wunderschönen Landschaft eine neue Heimat zu finden.
Hanna Elisa betete jeden Abend zum lieben Gott und zur heiligen Jungfrau Maria, dass endlich wieder der normale Alltag einkehre. Sie wollte mit ihren Eltern lachen, die alten Spiele spielen – einfach wieder fröhlich sein. War das vom lieben Gott zu viel erwartet. Sophia hatte ihr vor einiger Zeit erzählt, Kinder seien ein Gottesgeschenk. Er liebe sie ausnahmslos. Unbeantwortet blieb ihre Frage, und auch Bruder Valentin wusste keine Antwort, warum er zuließ, dass überall auf der Erde so viele seiner Geschenke ungeliebt, geschlagen und misshandelt, barfuss, hungrig und krank, elternlos, das Herz erfüllt von Mutlosigkeit, den beginnenden Tag erwarteten?
Als schmerzhafteste Erfahrung dieser Zeit empfand Hardy das Verhalten seines ihm liebsten Auftraggebers, der französischen Botschaft. Seit er am Rhein lebte, arbeitete er für die Franzosen, die immer pünktlich seine Rechnungen bezahlten und stets ihre Zufriedenheit mit seinem geleisteten Werk betonten. Obwohl er weiterhin in gewohnter Weise die anfallenden Arbeiten auf Schloss Ernich und den Unterkünften des Personals erledigte und niemand die Ausführung beanstandete stockte seit einigen Monaten die Bezahlung. Hardys Konto blieb leer, die Lieferantenrechnungen türmten sich auf seinem Schreibtisch. Von befreundeten Handwerkern erfuhr Hardy, er war nicht der einzig Betroffene. Alle klagten ihr Leid über das veränderte Zahlungs-verhalten. Keine der vielen mündlichen und schriftlichen Mahnungen führten zum Erfolg. Jede Bitte um Ausgleich der Rechnungen blieb unerfüllt. Ein freundlich ge-führtes Gespräch mit dem zuständigen Sachbearbeiter, indem Hardy die Bitte aussprach, die Bearbeitung seiner Vorgänge ganz zu oberst auf den Aktenstapel zu legen, der wirklich immens zu sein schien und den armen Menschen an seinen Schreibtisch fesselte, ihm nicht erlaubte, seinen Blick aus dem Fenster zu werfen, auf die sommerliche Landschaft und den fröhlich dahin fließenden Rhein, der die weißen Ausflugsdampfer und die zahlreichen Lastkähne in alle Welt davon trug. Er erläuterte Hardy, der Kampf mit den Papieren habe ihn müde werden lassen. Ihn bedürfe nach Ausspannung und Abwechslung und schob dem verdutzt blickenden Hardy einen Zettel zu, auf dem eine Summe stand, exakt zehn Prozent der ausstehenden Beträge, die er ihm in den nächsten Tagen zukommen lassen sollte. Dann könnte er sich vielleicht noch einmal aufraffen und vor seinem verdienten Urlaub Hardys Unterlagen wohlwollend prüfen, um sie anschließend zur Auszahlung vorzulegen. Enttäuscht wandte Hardy sich ab. Zum einen besaß er keine Mark, um auf das Angebot einzugehen, zum anderen verbot sein Gerechtigkeitssinn solch eine Maßnahme. Unterstützung seiner Einstellung fand er bei Jakob und Lilli.
Mit zunehmendem Alter begleitete Hanna Elisa Hardy immer weniger auf seinen Arbeits-Touren. Ihre vielseitigen Interessen beanspruchten ihr ganzes Sein, aber führte sein Weg zu Schloss Ernich, ließ sie auf der Stelle alle Dinge, die sie gerade beschäftigten liegen und stehen, schob ihre Gedanken und Überlegungen, die sich mit Gott, der Jungfrau Maria, den unsichtbaren Wesen des Wassers und der Lüfte beschäftigten in einen fernen Winkel ihres Geistes, sprang begeistert ins Auto und harrte lesend aus, bis alle Kunden zufrieden gestellt waren und Hardy endlich sein Auto in die Einfahrt zur Botschaft lenkte. Zum Empfang der beiden stürmten Kinder, Hunde und Katzen aus den Häusern, die Männer standen grüßend an den Hausecken und die Frauen nickten aus den offenstehenden Fenstern Hanna Elisa freundlich zu, luden sie ein, einen Milchkaffee zu trinken, während Hardy sich um die wichtigen Dinge des Alltags kümmerte. Alle redeten begeistert in einer Sprache durcheinander, die Hanna nicht verstand, die Hunde gaben bellend ihren Kommentar dazu und nur die Katzen blieben still, strichen zärtlich, den Kopf an Hannas Beine reibend, um sie herum und teilten ihr lautlos die in der letzten Nacht erlebten Abenteuer mit. Aber die fremde Sprache und das andere Aussehen hinderte Hanna nicht daran mit den Franzosenkindern zu spielen. Ihre Bälle waren ebenso rund wie ihre, die Klettergerüste und Schaukeln sogar noch ein bisschen schöner und größer. Wie war es möglich, dass diese gastfreundlichen herzlichen Menschen ihren Eltern soviel Kummer bereiteten? Als sie wieder einmal nach einem Arbeitseinsatz auf Schloss Ernich neben Hardy im Auto auf dem Beifahrersitz saß und ängstlich sein sorgenvolles Gesicht betrachtete, bat Hanna Elisa wieder einmal eindringlich die Sterne, den Wassermann, die Geister ihrer Höhle und den lieben Gott um Hilfe – und einer von ihnen, er gab sich nicht zu erkennen, erhörte ihren innigsten Wunsch, und schwamm zur Tat.
Jeden Tag setzte der Sohn vom alten Knust, der Hardy in fast vergessenen Tagen Tipps zum Schnaps brennen gab, mit seinem Bötchen zur Insel Nonnenwert über, um die externen Schülerinnen des Lyzeums pünktlich zum Unterrichtsbeginn am Anlegesteg des Internats abzusetzen und Mittags wieder abzuholen. Ruhig und gelassen versah er seine Arbeit, ließ seinen Blick über die Landschaft und den Fluss gleiten, das Geschnatter der Mädchen, das seine täglichen Fahrten begleitete, nicht mehr wahrnehmend. Es war ein dunkler Mittag im Spätsommer, schwarze, regenschwere Wolken hatten sich in der Spitze des Drachenfels verfangen, Dunstschleier versperrten den Blick auf den Rolandsbogen. Auch die Sicht auf dem Rhein ließ zu wünschen übrig. Von einem zarten Windhauch angetrieben öffnete sich die Nebelwand immer wieder für kurze Augenblicke, gab den Blick auf die am Ufer stehenden Bäume frei, zu kurz, um einen Müßiggänger mit ihrem Anblick zu erfreuen. Die Schiffer gönnten der von Nässe eingehüllten Landschaft heute ohnehin keinen Gedanken. Ihre erhöhte Aufmerksamkeit galt der Fahrrinne. Sie starrten ins unendlich scheinende Grau, lauschten auf die Nebelhörner der sich nähernden Schiffe, atmeten erleichtert auf, wenn der Dunst sich für einen Atemzug hob und ihre Sinne für den Moment entspannen konnten.
Gemächlich steuerte Knust jun. sein Boot über das Wasser. Sein täglicher Weg, der ihn quer zur Fahrrinne führte, erforderte selbst für einen erfahrenen Steuermann an einem Tag wie diesem erhöhte Vorsicht. So nahm er auch nur in einem weit entfernt liegenden Winkel seines Bewusstseins wahr, als eines der Mädchen unter dem schützenden Dach hervor sprang und mit schriller sich überschlagender Stimme rief,
„Kommt her! Schnell, schnell ! Da schwimmt etwas“
„Seht, seht! Ein Ungeheuer!“
Blitzartig verließ die restliche Meute höherer Töchter ihren angestammten Platz, an dem sie Morgen für Morgen vor Schulbeginn den für die nächsten Stunden letzten kostbaren Augenblick der Freiheit genossen und am Mittag ihre Pläne für den restlichen Tag austauschten, wagten sich in den Regen, rannten zu der Rufenden und blickten suchend über das Wasser. Erfolglos. Wenn der Rhein tatsächlich ein Ungeheuer beherbergte, so versteckte es sich erfolgreich.
„Du hast es mit deinem Schreien vertrieben!“
„Nein, es ist nur der Nebel, der uns den Blick versperrt. Das Ungeheuer ist bestimmt ..........

Der Roman

Mann oh Mann, was ist das für eine Geschichte...



Ein Roman voller Wärme und Offenheit geschrieben, unsagbar viel Humor sprüht aus den Zeilen und immer wird den Dingen auf den Grund gegangen, nicht hingenommen, sondern nach dem Warum gefragt, nicht vorgeworfen oder angeklagt sondern versucht zu verstehen.  In Ihrem Buch erzählt  Renate Conrad  auch aus ihren Jahren im Kohlenpott, von den Abenden unter dem Fliederbaum,  vom gemeinsamen abendlichen musizieren auf der Bank unter dem Fliederbaum, vom Akzeptieren der Menschen aus der Fremde.